Wirtschaftsumfrage

Die Wirtschaftsumfrage gilt seit rund zehn Jahren als verlässliches objektives Barometer der Befindlichkeiten deutscher, kroatischer und anderer ausländischer Unternehmen in Kroatien.

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Die AHK Kroatien bietet allen ihren Mitgliedern und weiteren interessierten Unternehmen und Wirtschaftsorganisationen die Möglichkeit, sich an der jährlichen Wirtschaftsumfrage zur wirtschaftlichen Lage und zum Investitionsklima in Kroatien zu beteiligen.


Investitionsbereitschaft von Unternehmen in Kroatien sinkt jedoch erneut

Fast die Hälfte der hierzulande befragten Unternehmen würden heute Kroatien nicht wieder als Geschäftsstandort wählen. Das ergab die neueste Konjunkturumfrage der AHK Kroatien, der größten bilateralen Wirtschaftsorganisation im Land, die im Februar dieses Jahres unter 150 Mitgliedsunternehmen und einigen der führenden Unternehmen in Kroatien durchgeführt wurde – zeitgleich mit 15 weiteren deutschen Auslandshandelskammern in Mittel- und Osteuropa (MOE). Der Anteil der Unternehmer, die wieder in Kroatien investieren würden, sank damit von 68% im Vorjahr auf 54%. Dabei hatte diese Zahl bis 2017 mehrere Jahre hohe 80% betragen. In diesem Punkt liegt Kroatien weit unter dem MOE-Durchschnitt, der dieses Jahr 79% beträgt. Hauptgründe für die Unzufriedenheit der Unternehmen sind der mangelnde Kampf gegen Korruption und Kriminalität, die Steuerlast, das Steuersystem und –behörden, die öffentliche Verwaltung und die mangelnde Rechtssicherheit.

Auch die Prognosen des Wachstums der kroatischen Wirtschaft sind in diesem Jahr schlechter als 2018 – im Vergleich zum Vorjahr rechnen in diesem Jahr nur noch 19% der Befragten mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage, was einem Rückgang um 14% entspricht. Auch der Anteil der Unternehmer, die die aktuelle Wirtschafssituation als negativ bewerten stieg stark im Vergleich zum Vorjahr an – von 39% auf 61%. Der MOE-Durchschnitt beträgt in diesem Punkt 20%.

Unternehmen dennoch optimistisch

Etwas positiver als die Konjunkturlage- und –entwicklung bewerteten die in Kroatien befragten Unternehmen ihre eigene Geschäftslage und –erwartungen. So bezeichneten 26% von ihnen ihre Geschäftslage als gut, 60% als unverändert und 14% als schlecht. 42% der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftssituation, was dennoch ein Rückgang von 15% im Vergleich zu 2018 ist. Ähnliche Erwartungen haben die MOE-Länder, diese schätzen aber ihre aktuelle Geschäftssituation im Durchschnitt deutlich besser ein – 56% der Unternhemen bewerteten sie als gut, nur 6% als schlecht.

Trotz allem bleibt Kroatien als Geschäftsstandort mit Platz 8 von 20 Ländern relativ attraktiv und bis auf Slowenien (Rang 5) attraktiver als seine Nachbarländer und der Wettbewerb aus Südosteuropa (Ungarn 9, Serbien 11, Bosnien und Herzegowina 18, Rumänien 10, Bulgarien 12). Als beste Vorteile am Wirtschaftsstandort Kroatien heben Unternehmen die EU-Mitgliedschaft, die Qualifikation der Arbeitnehmer, die akademische Ausbildung, die Produktivität und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer und die Infrastruktur hervor.

Digitalisierung von Unternehmen in Kroatien

Wenn es auf die Digitalisierung ankommt, sieht sich die Hälfte der befragten Unternehmen als sehr oder vollständig digitalisiert. Mehr als 80% haben eine positive Einstellung zur Digitalisierung, davon räumen jedoch 30% ein, dass ihnen die entsprechenden Kenntnisse fehlen. Drei Viertel der Unternehmen rechnen mit wesentlichen Veränderungen aufgrund der Digitalisierungsprozesse in den kommenden Jahren, während 80% von der Digitalisierung teilweise oder in starkem Maße betroffen sind. Die größten Vorteile der Digitalisierung sehen sie in der Steigerung der Effizienz und Produktivität, in der besseren Planung und besseren Kontrolle, der Senkung der Kosten sowie der Analyse und der Verwendung von Daten. Als größte Hürden und Risiken der Digitalisierung betonen sie die mangelnde Qualifikation und Kompetenz der Arbeitnehmer, die hohen Investitionskosten, die unzureichende Standardisierung und Zertifizierung, die IT-Sicherheit und die unklaren wirtschaftlichen Vorteile. Politischen Handlungsbedarf sehen sie vor allem in steuerlichen Anreizen für die Digitalisierung, der Förderung der entsprechenden Aus- und Weiterbildung sowie dem Ausbau eines qualitativ hochwertigen Breitbandnetzes.

Die Ergebnisse der beiden Umfragen wurden in einer Pressekonferenz am 16. April 2019 vom Präsidenten der AHK Kroatien, Dr. Thomas Sichla (Geschäftsführer von ZOV), AHK-Vorstandsmitglied Medeja Lončar (CEO Siemens Kroatien & Slowenien) und AHK-Geschäftsführer Sven Thorsten Potthoff vorgestellt.

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