Gute Chancen für deutsche Investoren in Kroatien

Kroatien präsentiert sich bei Wirtschaftsforum in Mainz

Die kroatische Wirtschaft ist weiter auf Expansionskurs und damit ein interessanter Partner für deutsche Unternehmen und Investoren. Das wurde deutlich beim Deutsch-Kroatischen Wirtschaftsforum, das von in der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer sowie der Kroatischen Wirtschaftsvereinigung in Mainz ausgerichtet wurde. Zu den Wachstumsstützen gehören der private Verbrauch und die starke Investitionsdynamik. Auch als Beschaffungsmarkt gewinnt Kroatien an Stärke. Zudem rücken Themen wie Digitalisierung, Industrie 4.0, Start-ups und die berufliche Aus- und Weiterbildung in den Fokus. Welche Branchen als zukunftsfähig gelten und gute Absatz- und Investitionsmöglichkeiten bieten, diskutierten mehr als 100 Unternehmer aus Rheinland-Pfalz und Kroatien.

So verwies der Hauptgeschäftsführer der IHK für Rheinhessen, Günter Jertz, darauf, dass die Handelsbeziehungen zwischen rheinland-pfälzischen und kroatischen Geschäftspartnern über die Jahre stabil geblieben seien. Die jüngsten Zahlen für 2018 zeigen Einfuhren aus Kroatien nach Rheinland-Pfalz im Wert von 46,4 Millionen EUR und Ausfuhren nach Kroatien im Wert von 134,2 Mio. EUR. Jertz blickt voraus: „Eine Chance, die bilateralen Geschäfte auszubauen, bestehen besonders in Branchen, die in Kroatien gute Wachstumsperspektiven haben.“ So hat der Pkw-Markt nach einem Zuwachs um 17,2 Prozent in 2017 zwischen Januar und Oktober 2018 noch einmal um 20,4 Prozent zugelegt. Hohe Wachstumsraten hätten zuletzt auch die Kunststoff- und Kautschukbranche sowie die Pharmaindustrie verzeichnet. Mit einem Plus wird für die kommenden Jahre auch in der Gesundheitswirtschaft, dem IT-Markt und der Bauwirtschaft gerechnet. Einen weiteren Anreiz für rheinland-pfälzische Unternehmen, in Kroatien aktiv zu werde oder ihr bestehendes Engagement zu verstärken, bietet laut Jertz das Skills-Experts-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. In Partnerschaft mit der Deutsch-Kroatischen IHK sollen kroatische Auszubildende vor Ort nach dem deutschen dualen System ausgebildet werden und dann als Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Ungebrochen ist das Interesse deutscher Unternehmen für den Geschäftsstandort Kroatien nach Angaben von Sven Thorsten Potthoff, Geschäftsführer der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer in Zagreb: „Deutschland ist Kroatiens wichtigster Außenhandelspartner. Deutsche Exporte nach Kroatien brechen von Jahr zu Jahr neue Rekorde, aber auch umgekehrt: Deutschland hat sich inzwischen zum zweitwichtigsten Absatzmarkt für Kroatien entwickelt. Trotz Reformbedarfs, etwa in den Bereichen Steuerrecht, Bildung oder öffentliche Dienstleistungen, gibt es dennoch gute Chancen für deutsche Investoren. Außerdem hat Kroatien eine ausgeprägte Unternehmerkultur, viele unternehmerische Initiativen im Gründungsstadium und einen IT-Sektor, der in den vergangenen fünf Jahren sehr stark gewachsen ist.“

Mario Šušak, Geschäftsführer der Kroatischen Wirtschaftsvereinigung e.V. mit Sitz in Frankfurt/Main meint, dass Kroatien weitere Strukturreformen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit braucht, um erfolgreich in ein neues Wirtschaftswachstumsmodell, wie beispielsweise ausländischen Direktinvestitionen, zu kommen. Doch er nennt auch Positivbeispiele wie die Unternehmen aus Kroatiens IT-Branche: „Die Globalisierung in den Wirtschaftsbeziehungen sowie die wachsende Mobilität von Menschen und Unternehmen führen zu einer wachsenden Konkurrenz der Wirtschaftsregionen. Schnelle Veränderungen erfordern Fachkräfte, die in der Lage sind, praxistaugliche Lösungen und Produkte zu entwickeln. Dieser industriepolitische und bildungspolitische Weckruf in der Digitalisierung ist sowohl für Deutschland als auch für Kroatien eine neue Chance. Der Erfolgszug der Digitalisierung verändert die Arbeitswelt in einer bisher nicht gekannten Geschwindigkeit. Eben hier besteht die Herausforderung und Chance, dass die Unternehmen in Deutschland und Kroatien voneinander profitieren.“