Aufbruch in eine neue Zukunft der wirtschaftlichen Zusammenarbeit

Die AHK Kroatien feiert dieses Jahr den 15. Jahrestag ihrer Grundung im Oktober 2003. Anlässlich dieses Jubiläums sprachen wir mit den ehemaligen Präsidenten und Geschäftsführern der Kammer, die auf ihre Amtszeiten auf diesen Posten und ihre wichtigsten Momente, größte Herausforderungen und schönste Erinnerungen zurückblickten. Nach der ersten Amtszeit von 2008 bis 2012 ist Ralf Blomberg seit Mai 2018 wieder Präsident der AHK Kroatien.

  • © AHK Kroatien

Ralf Blomberg ist seit 2013 der Chef-Finanzdirektor von RWE Kroatien. Im Jahr 1987 trat er eine Stelle bei der damaligen RWE Power AG an und kam nach Kroatien 2001 als Verantwortlicher für Finanzen und Investitionen des Wärmekraftwerkes Plomin, eines Joint-Ventures des kroatischen staatlichen Stromversorgers HEP und RWE. Diese Funktion hatte er bis zum Ablaufen des Kooperationsvertrages zwischen HEP und RWE im Jahr 2015 inne. Für seine langjährigen Bemühungen um die Entwicklung der lokalen Gemeinschaften und die Förderung der Beziehungen mit ihnen erhielt er im gleichen Jahr eine Anerkennungsurkunde der Stadt Labin. Er ist einer der Gründer der AHK Kroatien und war Kammerpräsident erstmals von 2008 – 2012. Auf den Posten wurde er im Mai 2018 wiedergewählt.

Was waren die Höhepunkte Ihrer ersten Amtszeit als AHK-Kammerpräsident?

Ab dem Jahr 2001 leitete ich in Istrien das Kraftwerks-Joint-Venture von HEP und RWE, TE Plomin. An engem Kontakt zur deutsch-kroatischen Wirtschafts-Community war mir bereits sehr früh gelegen. Erste nähere Beziehungen konnte ich durch den Beitritt in den Verband der Deutsch-Kroatischen Kaufmannschaft knüpfen. Rund ein Jahr danach, im Oktober 2003, wurde die eigentliche DKIHK in einem Festakt mit den Premierministern Gerhard Schröder und Ivica Račan gegründet. Dieser Festakt war für mich der Höhepunkt, weil er den Aufbruch in eine neue Zukunft der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten bedeutete.

In meiner aktiven Zeit als Kammerpräsident hat mich die unglaubliche Intensität der Kammerarbeit und die Leistungsfähigkeit des damit verbundenen Teams in der Kammer beeindruckt. Gemeinsam mit den damaligen Vorstandsmitgliedern sind wir in einen intensiven positiven Austausch mit den Kammermitgliedern gekommen. Auch haben wir versucht, ihre Probleme zu lösen, aber auch die möglichen Potentiale weiterführend zu unterstützen. Ich habe mich immer sehr gefreut, wenn ein deutsches Unternehmen mit Unterstützung der Kammer den Markteintritt in Kroatien erfolgreich bewältigen konnte.

Was war Ihr Eindruck von Kroatien als Land und Standort während dieses Zeitraums?

Für mich als in Istrien Arbeitenden war Zagreb zunächst weit entfernt – ca. 5 Stunden Fahrt mit dem Auto. Da konnte man die dringend notwendigen logistischen Verbesserungen quasi selbst erfahren. Schließlich wurde die Autobahn gebaut und man hatte das Gefühl: es geht aufwärts. Doch dies stellte sich als zu optimistisch heraus. In der Tages- und Kammerarbeit wurde man immer wieder von rechtlichen-, steuerlichen-, finanziellen- oder Genehmigungsvorschriften eingefangen und in seiner Handlungsfreiheit beschränkt. Diese Erfahrung musste ich immer wieder machen.

Aber überall gab es zum Ausgleich freundliche hilfsbereite Menschen, die mit ihrer Begeisterung für die Entwicklung des Landes eintraten und über die beschriebenen Hürden hinweghalfen. Dies erfolgte durch ihr hohes Talent zur Improvisation und damit einhergehender Flexibilität. Leider waren genau diese Eigenschaften bei der Erstellung von Regelungen und Verordnungen plötzlich nicht mehr vorhanden. Und was eigentlich bei der Anwendung von Gesetzen helfen sollte, entpuppte sich in der Realität als kaum zu durchdringendes Dickicht.

Es schien vorwärts zu gehen, leider konnten nicht alle Ideen aus der Wirtschaft realisiert werden: Zuviel Dirigismus durch politische Ziele.

Was waren die größten Herausforderungen, die die Kammer und Sie als ihr Präsident damals bewältigen mussten? Wie ist es heute?

Zur damaligen Zeit hatten wir mit den oben beschriebenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Und obwohl der Weg für Kroatien in die EU zu führen schien, schien man bei der Realisierung von Projektenin einer dicken Lehmschicht zu stecken – es ging kaum vorwärts. Dabei standen hoffnungsvolle mögliche Investoren bereit, um mit Projekten die deutsch-kroatischen Beziehungen weiter zu stärken. Interessanterweise erhielten wir jedoch nicht in allen Fällen auch volle Unterstützung von der deutschen Seite, es schien als sei dieser Kroatien noch nicht gefestigt genug. Somit mussten wir uns schon früh als Vermittler zwischen der Wirtschaft Kroatiens und Deutschland beweisen.

Auch die Finanzierung der Kammeraktivitäten bedurfte einiger Anstrengung. So war das Wachstum an Mitgliedern eine permanente Herausforderung. Dieser stellten wir uns durch neue Angebote und Dienstleistungen für Mitglieder.

Stolz bin ich auf die durch uns angeregte Gründung der Task Force Kroatien-Deutschland. Sie sollte dem Zweck dienen, scheinbar festgefahrene wichtige Projekte zwischen den Wirtschaftsministerien beider Länder erneut anzuschieben und die Realisierung zu ermöglichen. Gemeinsam mit dem deutschen Wirtschaftsministerium und dem Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft konnte ich diese Idee der damaligen Premierministerin Kosor vorschlagen. Mit dieser mächtigen Unterstützung konnten längst gesenkte Schranken für einige Projekte geöffnet werden.

Heute ist die AHK Kroatien von ähnlichen Problemstellungen gefordert. Trotzdem Kroatien Mitglied in der EU ist, bleibt nach Auskunft unserer Mitgliedsunternehmen deutlicher Nachholbedarf bei der Realisierung eines freien Wettbewerbs und bei der Herstellung gleicher Bedingungen für den Marktzugang. Hier sieht die Rechtslage völlig EU-konform aus, aber wie schon in meiner ersten Amtszeit gilt es festzustellen, dass die darunter liegenden Verordnungen und Regeln freien Wettbewerb in vielen Fällen behindern.

Dies ist unter anderen ein Grund, warum die Kammerunternehmen in diesem Jahr auf die Frage Würden Sie wieder in Kroatien investieren? nur zu 68% mit Ja geantwortet haben – in allen Jahren davor waren es eher Antworten im hohen 80- bis über 90-Prozent-Bereich gewesen. Hier versuchen wir, unsere Mittlerrolle für die Wirtschaft noch weiter zu verbessern und direkte Auslandinvestitionen in Kroatien zu unterstützen.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne?

Neben der Arbeit in der und für die Kammer gab es auch wirklich schöne Momente bei offiziellen und eher weniger formalen Zusammentreffen mit hochrangigen politischen Vertretern aus Deutschland und Kroatien. Absolute Highlights dabei waren Begegnungen mit den ehemaligen Präsidenten Mesić und Josipović einerseits sowie Köhler, Wulff und Gauck andererseits. Alle waren höchst interessiert an der Verbesserung unserer wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

AHK Kroatien im Jahr 2030 – was fällt Ihnen zuerst ein?

Entscheidende Reformen sind durch die kroatische Politik realisiert worden. Entsprechend haben deutsche Unternehmen in Kroatien massiv investiert und interessante Arbeitsplätze geschaffen.

Die AHK Kroatien hat diese Entwicklung begleitet und unterstützt – ausgehend von bereits 2018 begonnenen Initiativen – die Weiterentwicklung der Wirtschaft Kroatiens zur Industrie 4.0. Sie ist weiter gewachsen in ihrer Rolle als Bindeglied der Wirtschaft zwischen beiden Ländern.

Als wichtigen Baustein hierfür hat die Kammer auch Unternehmer der regenerativen Energieerzeugung für Investitionen gewinnen können und Wege bereitet. Im Jahr 2030 könnte die Energieversorgung Kroatiens durch Photovoltaik und Wasserkraft in Verbindung mit intelligenten Netzen und Batteriespeichern nahezu emissionslos gesichert sein.

Und im Sommer 2030 stehen Vertreter aller Mitgliedsunternehmen zusammen im Garten der Kammer und erfreuen sich am WM-Finale Kroatien – Deutschland.