Gemeinsam in den europäischen Binnenmarkt

Die AHK Kroatien feiert dieses Jahr den 15. Jahrestag ihrer Grundung im Oktober 2003. Anlässlich dieses Jubiläums sprachen wir mit den ehemaligen Präsidenten und Geschäftsführern der Kammer, die auf ihre Amtszeiten auf diesen Posten und ihre wichtigsten Momente, größte Herausforderungen und schönste Erinnerungen zurückblickten. Gunther Neubert war Geschäftsführer der AHK Kroatien von 2013 bis 2017.

  • © AHK Kroatien/Tomislav Smoljanović

Gunther Neubert studierte Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien in Passau. Nach mehrjährigem Engagement im Bereich der Tourismusförderung für die Andenregion war er von 2005 bis 2012 als Geschäftsführer der Deutsch-Ecuadorianischen Industrie-und Handelskammer in Quito tätig. Von 2013 bis 2017 war er Geschäftsführer der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer und Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Bosnien und Herzegowina. Seit Anfang 2018 leitet er die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Havanna, Kuba.

Was waren die Höhepunkte Ihrer Amtszeit als AHK-Geschäftsführer?

Hier denke ich in erster Linie an den massiven Ausbau des Mitgliederbereiches, der mit einer qualitativen und quantitaven Erweiterung unserer Netzwerkveranstaltungen und des Servicebereiches einherging. So ist es dem Kammerteam mit großer Unterstützung des Vorstandes gelungen, neue Netzwerkformate wie thematische Arbeitskreise und Fachseminare zu etablieren, die traditionellen Stammtische in monatliche Jour-fixe-Veranstaltungen mit durchschnittlich über 100 Teilnehmern zu verwandeln und durch ein neues Regionalisierungskonzept die AHK auch verstärkt in den unterschiedlichen Regionen Kroatiens bekannter zu machen. Diese Anstrengungen führten nebenbei zu einer erheblichen Verbesserung der Einnahmesituation der Kammer, ohne die der Erwerb der neuen Kammerräumlichkeiten in der Strojarska so schnell nicht möglich gewesen wäre.

Wie war Ihr Eindruck von Kroatien als Land und Standort während dieses Zeitraums?

Nach dem sehr langen Beitrittsprozess waren die an den EU-Beitritt geknüpften Erwartungen der kroatischen Unternehmerschaft, aber auch der Bevölkerung insgesamt, sehr hoch. Bürokratische Hürden, wie extrem lange Genehmigungsverfahren bei Auslandsinvestitionen sowie weitere hausgemachte Probleme, wie die Agrokor-Krise, standen jedoch zunächst einer Überwindung der langanhaltenden Wirtschaftskrise im Weg. Andererseits stieg das Interesse deutscher Unternehmen am kroatischen Markt beständig an. Dies zeigte sich auch an der Vielzahl der Unternehmerreisen, vor allem zu den Themenbereichen Energie und Umwelt.

Was waren die größten Herausforderungen, die die Kammer und Sie als ihr Geschäftsführer damals bewältigen mussten?

Kroatien tat sich zunächst schwerer als manche andere Staaten, die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu überwinden. Dringende Reformen im Steuerbereich oder zum Bürokratieabbau wurden nur schleppend oder gar nicht umgesetzt. Umso wichtiger war es, kontinuierlich auf notwendige Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinzuweisen. Eine wichtige Initiative hierbei war die Erstellung eines 10-Punkte-Strategiepapieres, das wir gemeinsam mit den Botschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, Wirtschaftsverbänden und der kroatischen Handelskammer entworfen haben und das nachhaltige Beachtung bei der kroatischen Regierung fand.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne?

An meinem neuen Standort bin ich, gerade jetzt in der Aufbauphase der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Kuba, oft noch als Einzelkämpfer unterwegs und denke immer wieder an das kompetente Team der AHK Kroatien aber auch an die hervorragende Unterstützung durch den Vorstand sowie an die vielen engagierten kroatischen und deutschen Unternehmerpersönlichkeiten zurück. Zudem werde ich die wohl weltweit einzigartige Cafe-Kultur Kroatiens, wo man auch noch im Winter bei jedem Sonnenstrahl seinen Kaffee in einem der schier unzähligen Cafes im Freien genießt, wohl niemals vergessen. Gleiches gilt für die unterschiedlichsten Naturerlebnisse entlang Kroatiens Küste und auf seinen Inseln und Flüssen. Wo kann man schließlich schönere Kanutouren machen, als auf Kupa, Drau und Mrežnica? Unvergesslich werden auch die Wanderungen im Velebit und die kulinarischen Ausflüge von Istrien bis in die Zagorje sein.

Welche Tipps haben Sie für Ihre Nachfolger?

Jede AHK-Geschäftsführerin und jeder Geschäftsführer bringt ganz getreu dem Motto jedem Anfang wohnt ein Zauber inne bei einem Wechsel ihre eigenen Ideen und Vorstellungen mit in die Kammerarbeit ein, und das ist auch gut so!

AHK Kroatien im Jahr 2030 – was fällt Ihnen zuerst ein?

Ich bin sehr zuvesichtlich, dass die AHK Kroatien auch 2030 der zentrale Ansprechpartner für alle Themen rund um die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen sein wird.