"Es entstand die erste Deutsche Auslandshandelskammer in Ex-Jugoslawien"

Die AHK Kroatien feiert dieses Jahr den 15. Jahrestag ihrer Grundung im Oktober 2003. Anlässlich dieses Jubiläums sprachen wir mit den ehemaligen Präsidenten und Geschäftsführern der Kammer, die auf ihre Amtszeiten auf diesen Posten und ihre wichtigsten Momente, größte Herausforderungen und schönste Erinnerungen zurückblickten. Thomas Gindele war Geschäftsführer der AHK Kroatien von 2000 bis 2005.

  • © Deutsche Handelskammer in Österreich

Thomas Gindele wurde 1965 in Radolfzell am Bodensee geboren. Nach dem Studium der Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz begann er 1992 seine berufliche Laufbahn als Mitarbeiter im Bereich Personalentwicklung der Fraport AG Frankfurt. Nach weniger als einem Jahr wurde er Leiter der Abteilung Marktforschung und Volkswirtschaft bei der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer in Seoul und 1997 stellvertretender Geschäftsführer des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft in Peking. Im Jahr 2000 wurde er Geschäftsführer der Deutsch-Kroatischen IHK in Zagreb und 2002 Regionalleiter für die Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Seit 2005 ist Thomas Gindele Hauptgeschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Österreich. Seit 2010 ist er zudem Bayerischer Repräsentant in Österreich.

Was waren die Höhepunkte Ihrer Amtszeit als AHK-Geschäftsführer?

Ich kam offiziell Anfang 2000 nach Kroatien und meine Aufgabe bestand zuerst im Aufbau des Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft. Von Seiten der kroatischen Politik und Wirtschaft wurden wir sehr freundlich empfangen. Die Eröffnung einer deutschen Wirtschaftsvertretung in Zagreb war für Kroatien ein wichtiges Signal. Recht schnell konnten wir ein gemeinsames Unternehmernetzwerk entwickeln, welches dann 2003 den Grundstein für die Gründung der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer darstellte. Der Höhepunkt war die Eröffnungsfeierlichkeit der Kammer mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem damaligen kroatischen Premierminister Ivica Račan. Es entstand die erste Deutsche Auslandshandelskammer in Ex-Jugoslawien.

Wie war Ihr Eindruck von Kroatien als Land und Standort während dieses Zeitraums?

Kroatien befand sich am Anfang der Jahrtausendwende im Umbruch. Das Land hatte mit den Nachwirkungen des Bürgerkrieges zu kämpfen, wollte aber trotzdem die Gesellschaft modernisieren. Es gab allerdings sowohl in der Politik, als auch in der Wirtschaft Altlasten, deren Beseitigung doch viel mehr Zeit in Anspruch nahm, als ursprünglich gedacht. Kroatien musste sich seine eigenständigen Staatsstrukturen erlernen und erarbeiten. Dazu gehörte auch der schwierige Prozess der Privatisierung der überwiegend im staatlichen Besitz befindlichen Großunternehmen. In dieser Zeit entstanden auch die Schlüsselkooperationen mit der deutschen Wirtschaft.

Was waren die größten Herausforderungen, die die Kammer und Sie als ihr Geschäftsführer damals bewältigen mussten?

Wir hatten anfangs noch so einige Probleme unseren verabredeten Status umzusetzen. Man stieß dabei manchmal an die Grenzen der kroatischen Bürokratie. Darunter litten nicht nur wir, sondern auch die Menschen im eigenen Land. Am Ende hat es dann doch irgendwie geklappt, aber der Weg dahin war mir oft unerklärlich. Dass die Kammer aber schnell Fuß fassen konnte, lag insbesondere an den hervorragenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ich in Kroatien vorfand. Sehr gut ausgebildete Menschen, die in beiden Sprachen zuhause sind. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ersten Stunden sind zum Teil in Deutschland aufgewachsen und hatten daher ein hohes Maß an Verständnis für die Anforderungen in beiden Ländern. Auch halfen uns bereits etablierte deutsche Unternehmerniederlassungen in Kroatien beim Aufbau unserer Interessengemeinschaft. Sie bildeten von Anfang an das Rückgrat unseres Wirkens. Im Gegenzug war unser Auftrag klar: Wir sollten übergeordnet die Interessen wahrnehmen, insbesondere um Probleme im Wirtschaftsverkehr zu lösen.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne?

An sehr vieles. Wir fanden in Kroatien ein unbestelltes Feld vor. Deswegen konnten wir Neues testen und etablieren, denn es gab noch nicht viel Vergleichbares. Dazu zählten die zahlreichen interessanten Begegnungen, die die AHK Kroatien organisiert hat. Ich denke einige der Formate haben auch heute noch ihren Platz in der Kammerwelt. Besonders erinnere ich mich an das Zusammenleben mit den Menschen in Kroatien. Kroaten sind sehr deutschfreundlich, was mir den Zugang zur Gesellschaft sehr erleichtert hat. Es wurde viel besprochen und diskutiert, allerdings immer auf ausgesprochen freundschaftlicher Ebene. Außerdem ist Kroatien ein schönes Land, in dem man unter gewissen Voraussetzungen sehr gut leben kann.

Welche Tipps haben Sie für Ihre Nachfolger?

Ich bin davon überzeugt, dass die heutige Geschäftsführung, sowie der Präsident und Vorstand der AHK Kroatien sehr gut wissen, was zu tun ist, um die Akzeptanz der Kammer weiter erfolgreich auszubauen. Sicherlich wird es auf diesem Weg immer wieder neue Anforderungen geben, auf die man sich einstellen muss.

AHK Kroatien im Jahr 2030 – was fällt Ihnen zuerst ein?

Alles daran setzen, dass die Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer die wichtigste Außenwirtschaftseinrichtung in Kroatien ist und bleibt. Eine Niederlassung der Kammer in Dubrovnik wäre auch nicht schlecht.