Die kroatische Wirtschaft
Entwicklung des BIP
Die kroatische Wirtschaft bleibt ersten Prognosen zufolge auch 2012 im vierten Jahr in Folge ohne Wachstum. Im Jahr 2011 wurde ein Nullwachstum verzeichnet. Im 3. Quartal 2012 verzeichnet das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres einen Rückgang von 1,9%. Die Europäische Kommission erwartet für 2012 einen realen BIP-Rückgang um 1,2%, die Kroatische Nationalbank spricht im Juni 2012 von einem Rückgang von 1,6%.
Neben den Folgen der Weltwirtschaftskrise und der europäischen Schuldenkrise bestehen auch strukturelle Probleme, welche das Land belasten. So hängen die rückläufige Industrieproduktion und auch die sinkenden Exportabsätze mit dem z. T. verzögerten Strukturumbau in auch für den Export wichtigen Branchen zusammen. Darüber hinaus nehmen die nachlassende Nachfrage bei den für Kroatien besonders wichtigen Handelspartnern Italien und Slowenien darauf Einfluss.
Mittel- und langfristig sind weitere Modernisierungen und Investitionen, vor allem in den Wachstumsbranchen Energie-, Bahn-, Hafen- und Straßenausbau, Wasserversorgung, Abfall- und Abwasserbehandlung, Logistik und Tourismus zu erwarten. Zu weiteren Branchen mit den mittelfristig besten Wachstumsaussichten zählen der Telekomsektor und die Nahrungsgüterwirtschaft.
Außenhandel
Der kroatische Außenhandel hat sich 2011 im Vergleich zum Vorjahr erholt, ohne das Vorkrisenniveau wieder erreicht zu haben. So stiegen die kroatischen Exporte in Euro nominal um 7,7% und die kroatischen Importe um 7,5%. Diese Dynamik ist in den ersten neun Monaten 2012 etwas abgeflaut. Die kroatischen Exporte verzeichnen von Januar bis September 2012 einen Rückgang von 2,2% und die Importe von 0,9%. Dabei sind die Länder der Europäischen Union, angeführt von Italien und Deutschland, die wichtigsten Handelspartner Kroatiens. Rund 65% der kroatischen Einfuhren kamen aus dem EU-Raum. Eine wichtige Rolle spielt auch der Außenhandel mit den Ländern des Mitteleuropäischen Freihandelsabkommens (engl. CEFTA; Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Kosovo, Mazedonien, Republik Moldau und Serbien). Nach dem EU-Beitritt wird Kroatien allerdings bisherige Zollvorteile im CEFTA-Handel einbüßen, dies betrifft vor allem den wichtigen Nahrungsmittelsektor.
Das beträchtliche Handelsdefizit, das zum Großteil durch die Tourismuseinnahmen ausgeglichen wird, ist vor allem Resultat einer noch nicht ausreichenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit vieler kroatischer Produkte. Um dem entgegenzuwirken gehört seit einiger Zeit die Steigerung der Konkurrenzfähigkeit der kroatischen Industrie zu den primären wirtschaftspolitischen Zielen. Der EU-Beitritt wird zusätzliche Impulse für Investitionen in die Infrastruktur und die Baukonjunktur bringen. Für 2013 rechnet die Mehrzahl der Analysten und Institute mit einem wenn auch moderaten Wachstum.
Ausländische Direktinvestitionen
Im Zeitraum 1993 - 2. Quartal 2012 sind rund 25,8 Mrd. Euro Auslandsinvestitionen nach Kroatien geflossen. Zu den wichtigsten Herkunftsländern gehören neben Österreich die Niederlande und Deutschland. Aus diesen drei Ländern werden rund 52% der insgesamt nach Kroatien geflossenen Gesamtinvestitionen realisiert.
In der Struktur der Auslandsinvestitionen dominieren der Finanzsektor (35%), gefolgt vom Großhandel (11%) und Post und Telekommunikation (7%).
Sektoren
Der Dienstleistungssektor nimmt mit einem Anteil von etwa 60% am BIP eine starke Stellung in der Wirtschaftsstruktur Kroatiens ein. Der Tourismus erwirtschaftet als wichtigster Zweig des Dienstleistungssektors etwa ein Fünftel der Wertschöpfung des Landes und zählt als das Zugpferd der kroatischen Wirtschaft. Im Jahr 2011 betrugen die Einnahmen aus dem Tourismus 6,6 Mrd. Euro, rund 6% mehr im Vergleich zum Vorjahr. Im Rekordjahr 2008 lagen die Einnahmen bei etwa 7,5 Mrd. Euro.
Neben dem Tourismus gehören der Einzelhandel, der Finanzsektor und Leistungen im Immobiliensektor zu den bedeutendsten Zweigen des Dienstleistungssektors.
Quellen: Aufstellung der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer; Kroatische Wirtschaftskammer, Kroatische Nationalbank, Zagrebačka banka, Raiffeisenbank Kroatien, Germany Trade and Invest



